Organverkauf aus Verzweiflung

Organverkäufer

Die Nachfrage nach menschlichen Organen für eine Transplantation ist aufgrund der vielen wartenden Patienten riesig. Gegen Ende 2013 standen über 15.000 Menschen aus den Ländern von Eurotransplant auf der Warteliste. Da das legale Angebot von Spenderorganen verglichen mit der eigentlich benötigten Menge minimal ist, beschaffen sich Organhändler über illegale Wege Nieren, Lebern und Hornhäute. Jedes Jahr werden mutmaßlich etwa 10.000 – 20.000 illegale Nierentransplantation durchgeführt. Das sind ganze 10% aller Organtransplantationen.

 

Aussichtslose Lage

Während wir bisher von wirtschaftlich schwächeren Ländern vorwiegend Bodenschätze und Rohstoffe erworben haben, verkaufen uns die Einwohner dieser Länder heute aus Armut vermehrt ihre Nieren.
Typische Heimatländer solcher unfreiwilligen Organverkäufer sind beispielsweise Indien, Afrika, Brasilien, Rumänien oder die Ukraine. Die Betroffenen leiden oft z.B. unter großem Hunger, geringem Lebensstandard oder existentiellen Bedrohungen, wie etwa religiöser Verfolgung. Der Verkauf ihrer Organe und der damit einhergehende Ertrag ist für viele Menschen mit der Hoffnung auf eine verbesserte Lebensqualität oder mehr Sicherheit verbunden.

Potentielle Organverkäufer werden von den Organhändlern z.B. durch Flyer mit dem Versprechen hoher Vergütungen angelockt. Für eine Niere soll der Spender umgerechnet meistens knapp 10.000 Euro erhalten.

 

Das große Geschäft

Ist den Organhändlern ein potentieller Organverkäufer ins Netz gegangen, wird dem Spender ein passender Empfänger zugeteilt, der über die entsprechenden Mittel verfügt und sich das gewünschte Organ möglicher- weise über das Internet bestellt hat.
Daraufhin wird von den Händlern alles vom Flug und der Unterkunft bis hin zum Arzt für die Transplantation organisiert. In der Regel lernen sich Spender und Empfänger vor der Operation nicht kennen. Wenn die beiden Betroffenen einmal eingewilligt haben, gibt es kein Zurück mehr, sodass sie von den Händlern gewissermaßen gefangen gehalten werden und ein Fluchtversuch verheerende Folgen nach sich ziehen würde.

Die folgende Transplantation wird meistens an abgelegenen einsamen Orten durchgeführt. Wenn der Eingriff erfolgreich abgeschlossen wurde, wird der Spender entlohnt. Häufig ist der tatsächliche Betrag allerdings deutlich geringer als die zuvor versprochenen Summe.

Die Tatsache, dass die Organhändler vom Empfänger mindestens das 10-fache des Spenderhonorars erhalten, beweist, wie lukrativ dieses unmoralische Geschäft für die Verantwortlichen eigentlich ist.

 

Verheerende Folgen

Die meisten Organverkäufer bereuen den Verkauf ihres Organs im Nachhinein aber sehr. Nach einer Nierentransplantation muss z.B. die Entgiftung des Körpers plötzlich von nur noch einer Niere geleistet werden, die mit dieser Aufgabe anfangs oft überfordert ist, sodass der Betroffene häufig unter starken Schmerzen leidet. Da sich die Opfer gewöhnlicherweise keine medizinische Nachuntersuchung leisten können, kommt es nicht selten auch noch lange nach der Operation zu einer allgemeinen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes. Selbst das verdiente Geld ist schnell wieder ausgegeben und stellt in den meisten Fällen keine wirkliche Entschädigung für das verlorene Organ und die folgenden gesundheitlichen Schäden dar.

Da auch der Körper des Empfängers nicht selten mit der Annahme des neuen Organs zu kämpfen hat und unter den Folgen der Transplantation leidet, schöpfen die Organhändler im Endeffekt den größten Vorteil aus der Situation

 

Quellen:

http://www.zeitenschrift.com/artikel/organhandel-kaufe-niere-zahle-bar#.VJQc8F4CB
https://www.freitag.de/autoren/petra-becker-/menschen-als-ersatzteillager-fuer-reiche
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/organverkauf-in-moldau
http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article106393017/Niere-fuer-ein-iPhone

Der Spiegel. Ausgabe 31/2012. S25.

 

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