Operation Niere: Blick hinter die Kulissen

operation niere

Rote Zahlen

Alleine in Deutschland warten derzeit über 10.000 Menschen auf ein Organ, das ihre Lebensqualität erheblich steigern würde und in manchen Fällen sogar lebensrettend wäre. In der Regel ist eine Organtransplantation die beste und auf Dauer gesehen auch die günstigste Behandlungsmethode.

Um ein Organ transplantieren zu können, braucht man allerdings einen Spender. Leider gibt es davon momentan viel zu wenige, sodass im Durchschnitt täglich drei Patienten infolge ihrer entsprechenden Krankheit sterben. Zudem sank die Zahl der Organspender in den vergangenen Jahren auch noch stark. Ein potentieller Empfänger muss deshalb aktuell ca. fünf bis sechs Jahre auf der sog. Warteliste verbringen.

In den meisten Fällen werden aufgrund eines irreversiblen Nierenversagens (Niereninsuffizienz) Spendernieren benötigt. Bei einer Nierenspende ist neben der üblichen postmortalen Spende auch eine sog. Lebendspende möglich.

 

Die postmortale Spende

Bei der sogenannten postmortalen Spende (lat. post = nach; mortalis = den Tod betreffend; postmortal = nach dem Tod) werden die Organe nach dem Tod (bzw. dem Hirntod) des Patienten explantiert. Dieser muss vor seinem Tod einer Organentnahme ausdrücklich zugestimmt haben und seine Einwilligung schriftlich, zum Beispiel in Form eines Organspendeausweises, dokumentiert haben. Ist dies nicht der Fall, wird in Deutschland die Entscheidung an die nächsten Verwandten des Betroffenen übertragen, die an der Stelle des Verstorbenen in seinem Sinne entscheiden sollen.

Nachdem der Hirntod eines potentiellen Spenders von zwei verschiedenen voneinander unabhängigen Ärzten festgestellt wurde, wird die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) vom entsprechenden Krankenhaus darüber informiert. Wurde daraufhin die Organentnahme bewilligt, wird der Spender hinsichtlich seiner Transplantationseignung untersucht. Die Untersuchungsergebnisse werden dann über die DSO an Eurotransplant (Vermittlung für Organspenden) übertragen. Eurotransplant ermittelt anschließend einen passenden Empfänger. Dieser muss eine kompatible Blutgruppe mit dem Spender haben, sodass das neue Organ angenommen werden kann.

Sind all diese Schritte innerhalb weniger Stunden erfolgreich abgeschlossen worden, organisiert die DSO gemeinsam mit einem Transplantationszentrum die Explantation und den Transport des Organs.

Um überhaupt ein Organ über die postmortale Spende erhalten zu könnten, muss sich der Empfänger zunächst bei einem Transplantationszentrum vorstellen. Danach wird über seine Eignung als Organempfänger entschieden. Dabei spielt sein gesundheitlicher Zustand und die Erfolgschance einer möglichen Transplantation eine wichtige Rolle. Fällt diese Entscheidung positiv aus, wird der Patient bei Eurotransplant auf die Warteliste gesetzt.

 

Die Lebendspende

Bei dieser Form der Organspende werden einem lebenden Menschen ein Organ bzw. Teile davon entnommen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Explantation gesundheitlich vertretbar ist und nicht zum Tod des Spenders führt. Dieses Verfahren kann beispielsweise bei Nierentransplantationen oder Teilleberspenden angewendet werden.

Die Lebendspende unterliegt in Deutschland allerdings strengen gesetzlichen Auflagen. Es sind zum Beispiel nur Verwandte, Ehepartner oder dem hilfsbedürftigen Patienten besonders nahe stehende Personen als Spender zugelassen.

Wenn für einen potentiellen Empfänger ein passender Spender gefunden wurde, werden diese im gleichen Transplantationszentrum operiert. Bereits einen Tag vor der Transplantation werden bei den beiden betroffenen Patienten letzte Tests durchgeführt. Durch eine sogenannte Kreuzprobe wird beispielsweise die Gewebeverträglichkeit und die mögliche Abstoßungsreaktion des Zielorganismuses gegen das Spenderorgan getestet. Danach erhält der Empfänger ein Immunsuppressivum, um vorsorglich der kommenden natürlichen Abstoßungsreaktion des Körpers infolge der bevorstehenden Transplantation entgegenzuwirken.

Tauchen keine Schwierigkeiten auf, wird am nächsten Tag mit der Explantation des Spenderorgans begonnen. Schon vor dem Abschluss der Entnahme wird mit der Operation des Empfängers begonnen, um eine möglichst schnelle und sichere Übertragung des Organs zu gewährleisten.

 

Quellen:

http://www.transplantation-verstehen.de/etappen/die-operation/
http://www.transplantation-verstehen.de/etappen/die-wartezeit/
http://de.wikipedia.org/wiki/Nierentransplantation
http://www.dso.de/organspende-und-transplantation/thema-organspende.html
https://www.organspende-info.de/organ-und-gewebespende/spender

Der Spiegel. Ausgabe 31/2012. S25.
Wolfgang Weirauch (et al.): Organspende: Ja und nein. Flensburger Hefte, 2012.

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