Mögliche Lösungsansätze

organe züchten

Den Vorhang lüften

Ein erster wichtiger Schritt, dem illegalen Organhandel entgegenzuwirken, wäre es, die aufgezeigte Problematik viel radikaler als bisher publik zu machen. Wenn die breite Masse von der Brutalität des Vorgehens von Organhändler erfahren würde, entstünde vermutlich aufgrund der resultierenden allgemeinen gesellschaftlichen Empörung ein gewisser Druck. Dieser könnte folglich zu politischen Veränderungen führen. In betroffenen Länder könnten beispielsweise aufgrund von internationaler Kritik härtere Gesetzte hinsichtlich der Bestrafung von Organhandel erlassen und die Kontrolle verschärft werden.

Dieser Lösungsansatz würde zwar dem Organhandel entgegenwirken, allerdings wäre damit noch nicht das Problem der wenigen Spenderorgane gelöst.

 

Erhöhung der Spendenbereitschaft

Es gilt also neben der Bekämpfung des Organhandels auch die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung zu erhöhen. Natürlich könnte man wie in Italien, Österreich etc. eine postmortale Organspende nach dem Hirntod gesetzlich festlegen, es sei denn, der betroffene Patient hat sich zuvor explizit dagegen ausgesprochen. Wenn die Menschen allerdings nicht hinreichend informiert werden, insbesondere über die Hirntod-Problematik und die damit verbundenen Fragen, ist diese Widerspruchslösung sehr fragwürdig. Jeder Mensch sollte den aktuellen Sachverhalt kennen und dann entscheiden können, ob er ein anderes Leben retten möchte, auch wenn er möglicherweise zum Zeitpunkt der Explantation vegetativ noch lebt. Man könnte zum Beispiel nach dem Vorbild Norwegens die Gesellschaft zu freiwilligen Spenden motivieren.

In Norwegen sind knapp 90% der Bevölkerung bereit, ein Organ zu spenden, sodass ein kranker Patient nur etwa drei Wochen darauf warten muss. Etwa 50% aller Organtransplantationen werden hier durch Lebendspenden ermöglicht. Der Grund dafür liegt vermutlich in der norwegischen Einstellung bezüglich der Organspende. Anders als in Deutschland wird die Organspende hier nicht immer mit dem Tod verbunden, sondern vielmehr mit der Möglichkeit Leben zu retten.

Zudem schenken die Medien in Norwegen der Angelegenheit viel mehr Bedeutung als hierzulande. So werden häufig Geschichten von erfolgreichen Transplantationen veröffentlicht und über die sozialen Netzwerke verbreitet. Die Fernsehserie „Livet pa vent“ (Leben in der Warteschleife) thematisiert die Organspende und gewährt den Zuschauern einen tiefen Einblick in die Problematik. Man erlebt die Verzweiflung der wartenden Patienten und die unendliche Freude des Betroffenen und dessen Angehörigen, wenn ein Spenderorgan in Aussicht ist. Stolze 9% der gesamten norwegischen Bevölkerung verfolgten die Serie mit Interesse. Seit der ersten Ausstrahlung hat die Zahl der Organspenden in Norwegen einen großen Sprung nach oben gemacht.

 

Züchtung künstlicher Organe

Weil auch die menschliche Lebendspende meistens gesundheitliche Folgen für den Spender hat, arbeiten Forscher momentan an der Züchtung künstlicher Organe. Ihre große Vision ist es, erkrankte Patienten schnellstmöglichst mit entsprechenden gezüchteten Ersatzorganen versorgen zu können. Da diese aus den körpereigenen Zellen des betroffenen Patienten wachsen sollen, wird die für die herkömmliche Transplantation typische Abstoßungsreaktion des Körpers verhindert.

Und tatsächlich konnten die Wissenschaftler auch schon erste Erfolge in ihren Forschungen erzielen. So gelang es ihnen beispielsweise bereits, ein pulsierendes Rattenherz zu züchten, das immerhin bereits 5% der Leistung des natürlichen Rattenherzens besitzt.

Als erstes spülen die Forscher die Zellen eines Organs mit Hilfe eines bestimmten Lösungsmittels aus, um das Grundgerüst aus Proteinen und Kohlenhydraten zu erhalten. Diese sog. extrazelluläre Matrix wird daraufhin mit entsprechenden Zellen aus dem Zielorganismus besiedelt und dann in einen sog. Bioreaktor kultiviert. In dem Bioreaktor werden die Bedingungen des Körpers exakt simuliert, um ein gutes Gewebe- wachstum zu garantieren.

Bis diese Methode ausgereift ist, sodass die gezüchteten Organe auch wirklich transplantiert werden können, wird jedoch vermutlich noch einige Zeit vergehen.

Viele Wissenschaftler verwenden inzwischen sogar ein anderes vielversprechenderes Verfahren. Anstatt die Zellen an der Matrix wachsen zu lassen, möchten sie das gewünschte Organ ausdrucken. Dazu wird zuerst die dreidimensionale Form des Gewebestückes präzise am Computer simuliert. Folglich werden dann Stammzellen von sog. 3D-Druckern schichtweise Stück für Stück dieser Form entsprechend aufgetragen. Auch wenn durch dieses Verfahren der Druck komplexer Organe noch nicht wirklich geglückt ist, konnte man bereits gedruckte schlichtere Gewebestücke wie z.B. Adern oder Luftröhren erfolgreich transplantieren.

Falls man es tatsächlich schaffen sollte, künstliche Herzen, Nieren etc. zu züchten, bleibt natürlich die Frage bestehen, ob diese tatsächlich an die Qualität des Originalorgans herankommen.

 

Quellen:

http://www.wiwo.de/technologie/forschung/kuenstliche-organe-herz-und-niere-aus-dem-drucker/
http://www.wiwo.de/technologie/forschung/kuenstliche-organe-drucken-statt-zuechten/6845700-2.html
http://www.planet-wissen.de/natur_technik/anatomie_mensch/organverpflanzung/organe_bestellung.jsp
http://future.arte.tv/de/thema/lebensretter-stammzellen
http://www.rtl.de/cms/news/rtl-aktuell/norwegen-hohe-bereitschaft-zur-organspende
http://www.welt.de/politik/ausland/article109816798/Warum-Norweger-mit-ihren-Organen-spendabel

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