Die Geschichte der Organtransplantation

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Es ist offensichtlich, dass es ohne die Möglichkeit der Transplantation (lat. transplantare = verpflanzen) keinen Handel mit menschlichen Organen gäbe. Die anatomischen Erkenntnisse und der medizinische Fortschritt aus der Vergangenheit schufen Raum für ein neues Millionengeschäft: den Organhandel.

Allerdings ist die Organtransplantation eigentlich nichts Schlechtes, sondern vielmehr eine der großartigsten medizinischen Errungenschaften der Menschheit.


Die große Vision

Früher war der menschliche Körper ein großes Mysterium: Wenn ein Organ versagte, starb der Betroffene normalerweise und man konnte nichts dagegen tun.
Die Menschen träumten schon lange von der lebensrettenden Ersetzung fehlender Körperteile oder kranker Organe durch Transplantationen. Die große Vision des 19. Jhs. war es, den Menschen ähnlich wie eine Maschine reparieren zu können. Doch diese Vision blieb lange eine Wunschvorstellung. Erst nach einer Reihe spektakulärer Erfolge und dramatischer Misserfolge konnte dieser Traum dann endlich realisiert werden.


Startschwierigkeiten

Erst seit Beginn des 20 Jhs. kam es zu ersten erfolgreichen und wissenschaftlich fundierten Transplantationen, die vor allem durch den medizinischen Fortschritt ermöglicht wurden.
Doch auch schon viel früher wurden immer wieder Transplantationsversuche durchgeführt, die jedoch meistens scheiterten, da das fremde Gewebe vom Körper abgestoßen wurde. Das Problem bestand also darin, dass das menschliche Immunsystem das neue Organ als körperfremd erkannte und deswegen nicht annahm. Nur wenn das verpflanzte Gewebe genetisch identisch mit dem Zielorganismus war, gelang die Transplantation. So verpflanzte Joseph Murray 1954 zum Beispiel als erster Mensch erfolgreich eine Niere zwischen eineiigen Zwillingsbrüdern, bei denen eine solche genetische Identität besteht.

Viele weitere Transplantationen blieben jedoch aufgrund der Abstoßungsreaktion des Körpers erfolglos und verdeutlichten so den Bedarf einer immunsuppressiven Behandlung, sprich: einer Unterdrückung dieser Abstoßungsreaktion.


Die Erfolgsgeschichte der Organtransplantation

Ab 1960 wurden erste Medikamente, wie beispielsweise „Azathioprin“ oder „Kortison“, und biologische Verfahren zur Unterdrückung dieser Abstoßungsreaktion des menschlichen Immunsystems entwickelt. Diese neuen Möglichkeiten sowie die Verbesserung des Narkoseverfahrens bildeten eine erfolgversprechende Grundlage für zukünftige Transplantationen.

Im Jahre 1967 gelang dem Chirurgen Dr. Christiaan Bernard die erste erfolgreiche Herztransplantation. Sein Patient lebte nach der Operation noch 18 Tage und starb danach in Folge einer Infektion. Der Patient seiner nächsten, viel bedeutenderen Herztransplantation, Philip Blaiberg, konnte demgegenüber ganze 19 Monate überleben. Er hatte das Herz eines Schwarzen erhalten – in Südafrika zu Zeiten der Apartheid ein bemerkenswerter Vorgang. Dieser Fall ging durch die Weltpresse und ist einer der berühmtesten Transplantationsfälle überhaupt.

Im gleichen Jahr wurde die erste erfolgreiche Lebertransplantation von Thomas Starzl durchgeführt.

Nach der Einführung des aus einem Pilz gewonnenen immunsuppressiven Medikaments Ciclosporin im Jahre 1983 konnte – neben vielen weiteren Erfolgen – in den USA 1985 erstmals eine ganze Lunge verpflanzt werden. Drei Jahre später kam es zur ersten Teilleber-Transplantation, bei der die Spenderleber auf zwei Empfänger aufgeteilt wurde.

Nachdem in Deutschland 1983 die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) gegründet worden war, trat am 1. Dezember 1997 das Transplantationsgesetz in Kraft, das seither die Zulässigkeit von Organspenden bei lebenden und verstorbenen Bürgern regelt.
Heute gehören Organtransplantationen zu alltäglichen Eingriffen und weisen dank des medizinischen Fortschrittes recht hohe Erfolgsraten auf.

Allerdings gibt es viel zu wenige Spender, sodass die Patienten durchschnittlich 5 bis 6 Jahre auf ein Spenderorgan warten müssen. Auf der Warteliste werden die Patienten häufig mit Gedanken auf den vielleicht bevorstehenden Tod konfrontiert, sodass ihnen kein Preis für ein lebensrettendes Ersatzorgan zu hoch ist.

 

Quellen:

https://www.organspende-info.de/infothek/geschichte
http://www.netdoktor.de/Krankheiten/Organspende+Transplantation/Wissen/
https://www.roche.de/pharma/indikation/transplantation/organtransplantation/geschichte.html
http://www.initiative-organspende-rlp.de/html/geschichte.html

Wolfgang Weirauch (et al.): Organspende: Ja und nein. Flensburger Hefte, 2012.

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